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30.11.2012
22:05

DIAMONDS ARE A COACH´S BEST FRIEND

Im Laufe der vergangenen Woche hatte ich eine schwerwiegende berufliche Entscheidung zu treffen. Es gab zwei wirklich lohnenswerte Alternativen, beide jeweils mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Nachdem ich mit handelsüblichen Methoden wie einer Plus-Minus-Liste nicht mehr weitergekommen bin, habe ich die folgende Coaching-Übung durchgeführt - diese hat es mir letztlich ermöglicht, eine (fast) eindeutige Entscheidung zu treffen (siehe zur Erläuterung auch die Abbildung).

 

Diamond:Format - Dr. Nico Rose

 

Die Coaching-Übung wird - angelehnt an die Figur, die man im Verlauf nach und nach auf dem Boden auslegt, "Diamond" genannt. Der Diamond wurde meines Wissens von Klaus Grochowiak in Zusammenarbeit mit Rudolf Kaehr entwickelt und in dem Buch „Die Diamond-Technik in der Praxis“ ausführlich beschrieben. Sie weist außerdem eine große Ähnlichkeit zur sogenannten "Tetralemma-Aufstellung" auf, die Matthias Varga von Kibéd in seinem Buch „Ganz im Gegenteil“ beschreibt. Wofür eignet sich die Übung?

 

Wenn Menschen zwischen zwei Alternativen festhängen (= Dilemma), liegt das i.d.R. an einer zu rigiden Sichtweise der Situation, z.B. einem klassischen Schwarz-Weiß-Denkmuster. Der Diamond lädt dazu ein, mindestens zwei weitere Blickwinkel auf die problematische Situation zu werfen. Sie hat eine eher explorative Natur; sprich: Das Problem ist nicht direkt nach der Übung "weg"; häufig erlebt man eher einen (angenehmen) Zustand der Verwirrung. Typischerweise gibt es einen "Heureka-Moment" einige Tage nach der Übung.

 

1) These: Ausgangssatz, 1. Alternative

2) Antithese: das gefühlte/gedachte Gegenteil zu 1); 2. Alternative

3) Pleroma (= Fülle): Antwort auf Frage: Was haben 1) und 2) gemeinsam?

4) Kenoma (= Leere): Antwort auf Frage: Was ist weder 1) noch 2)? Oder: Was liegt jenseits von 1) und 2)?

 

Ablauf in der Übersicht

1) These formulieren

2) Antithese formulieren

3) Pleroma (Sowohl - als auch) formulieren

4) Kenoma (Weder - Noch) formulieren

5) Erfragen des (Un-)Möglichkeitsraums

 

Konkreter Ablauf

1) These formulieren

Die These wird formuliert, auf einen Zettel geschrieben und am Boden ausgelegt. Beispiel: "Ich bleibe in meinem jetzigen Job."

 

2) Antithese formulieren

Die Antithese wird formuliert und auf einen Zettel geschrieben und am Boden ausgelegt. Beispiel: "Ich entscheide mich für das neue Jobangebot."

Anmerkung: Dabei kann es sich einfach um die Verneinung oder das Gegenteil des Ausgangsatzes handeln, oder auch einen ganz anderen Satz, den der jeweilige Klient als Gegensatz denkt bzw. fühlt.

 

3) Pleroma (sowohl - als auch) formulieren

Nachdem Satz und Gegensatz formuliert sind, ist folgende Frage zu beantworten: Was haben Satz und Gegensatz gemeinsam?

Die Antwort wird wiederum aufgeschrieben am Boden ausgelegt, und zwar auf halben Weg seitlich von den sich gegenüber liegenden Punkten 1) und 2). Beispiel: "Beide Alternativen stellen eine lohnenswerte Entwicklung dar."

 

4) Kenoma (weder - noch) formulieren

Anschließend soll folgende Frage beantwortet werden: Was ist weder Satz noch Gegensatz? Oder: Was liegt jenseits von Satz und Gegensatz? Auch diese Antwort wird aufgeschrieben und am Boden gegenüber von 3) ausgelegt. Beispiel: "Jenseits von 1) und 2) gibt es Entspannung."

Anmerkung: Es geht nicht darum, dass die gefundenen Begriffe logisch sind und/oder zueinander passen. Es geht nur darum, dass sie stimmig für den Klienten sind.

 

5) Erfragen des (Un-)Möglichkeitsraums

Nun stellt man sich in der chronologischen Reihenfolge auf die 4 Blätter und beantwortet zu jedem vermerkten Begriff die beiden folgenden Fragen:

  • Was wird dadurch ermöglicht?
  • Was wird dadurch verhindert? Oder: Was wird dadurch entmöglicht?

Anmerkung: Letztere Formulierung ist kein gängiger deutscher Begriff, trifft das Konzept aber sehr gut und wird nach meiner Erfahrung auch gut von den Klienten verstanden.

 

Auch diese Antworten werden stichpunktartig auf Zetteln vermerkt und hinter die jeweilige Position gelegt. Damit ist der Diamond einmal durchlaufen und die Übung im Prinzip abgeschlossen. In meiner persönlichen Arbeit mit Klienten lasse ich diese häufig nach dem Durchlauf den Platz in der Mitte des Diamonds einnehmen.

 

Dann ist es die Aufgabe, den ganzen Prozess mit einem Satz oder einem Wort zu benennen, oder auch ein Symbol dafür zu finden. Oder auch die folgende Frage zu beantworten: Worum (um welche Frage) geht es bei dem Problem eigentlich?

 

Das Wort/Symbol bzw. die Frage wird wiederum auf einem Blatt vermerkt, dass der Klient dann mit nachhause nehmen kann. I.d.R. kriege ich nach ein paar Tagen einen Anruf, dass "irgendetwas Erstaunliches" passiert ist bzw. eine Lösung für das Dilemma gefunden wurde.

 

Letzte Anmerkung: In der Tetralemma-Aufstellung nach Varga von Kibend wird häufig noch eine 5. Position eingeführt mit dem etwas komplizierten Namen: „all dies nicht – und selbst das nicht“. Hiermit ist also nicht eine Synthese gemeint, wie in Möglichkeit c), sondern etwas, was auf einer völlig anderen Ebene liegt, als alles, worüber der Klient bisher nachgedacht hat.

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